We're not afraid! 496x94px - 9kB Der Termin
lmb's home Me, Myself and I Tech stuff - Geek blog Sitemap

lmb beschenken!

lmb's home

Me, Myself and I

Standard disclaimer

Cologne, 2005-06-04

Dedicated.

Ich komme nicht unerwartet.

Wir sprechen schon seit Jahren davon; inzwischen ist es fast ein Jahrzehnt, zumindest kommt es mir so vor. Immer im Konjunktiv, immer mit einer weit offenen Hintertür. Warum eigentlich? Ernsthaft war das Interesse schon, auf beiden Seiten.

Wann und wo wir uns kennengelernt haben, ich zumindest kann mich nicht mehr erinnern. Gemeinsame Bekannte, Freunde, gleiche Szene. Deine Mischung aus Intelligenz, Sex, Erotik und Charisma hat mich sofort fasziniert. Und gänzlich hin- und mitgerissen hat mich Dein erster Tanz - seit ich diesen Hüftschwung gesehen habe, wollte ich dieses Wellen-gleiche Rollen ganz, ganz nah spüren.

Das war einer der Gründe: zuviel Projektion. Ein Mythos ist doch am schönsten, wenn er Mythos bleibt.

Und ich habe auch gespürt, das Du mir gefährlich hättest werden können, in manchen Phasen. Zu dicht, an dem was ich suchte. Zumindest in der Vorstellung. Und Du warst immer liiert, und auch ich lange Zeit; offen, ja, doch mir war klar: Du wärst keine Frau für eine einzige Nacht. Welcher Weg führt durch dieses Labyrinth?

Deswegen weiß ich noch erstaunlich wenig von Dir; ich habe mich ein wenig ferngehalten. No fun, no risk. Ja, natürlich weiß ich was Du tust (sonst wäre ich nicht hier); ja, natürlich weiß ich was Du wo studiert hast. Und grob, das Du auf diverse intellektuelle Verrücktheiten stehst, und welche gemeinsamen Bekannten wir haben, und welche Vorlieben wir teilen - darüber zumindest haben wir ja oftmals gesprochen. Mehr? Wer bist Du wirklich? Das hätte die Illusion angekratzt. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem jeder Traum den Test bestehen muß.

Ich habe gelernt, was so eine Begegnung alles belasten kann: deswegen keine Erwartungen, keine Pläne, ich bin nur neugierig, Dich endlich kennenzulernen. Habe nur einen Rahmen, einen Einstieg als Karte dabei. Was auch immer geschieht. Wege entstehen, wenn wir sie gehen.

Zurück in der Gegenwart öffnest Du mir die Tür. Ich trage einen schwarzen Dreiteiler, der einzige Akzent ist die dunkelrote Krawatte. Lederne, dünne Handschuhe, deren Ansatz um Sakko verschwindet. Verspiegelte Sonnenbrille. Eine kleine schwarze Tasche. Härtere Konturen, die sich unter dem Anzugsstoff abzeichnen. Agent Smith. Du hingegen machst Trinity Konkurrenz; ich bin beeindruckt, wie immer.

Du bist überrascht, weil Du nicht mit mir gerechnet hast, nicht heute, nicht hier; ich habe diesen Termin in fremdem Namen ausmachen lassen, habe mit Deiner Kollegin einen kleinen Deal gemacht... Entsprechend verwundert schaust Du fragend zu mir hoch, bist immerhin anderthalb Köpfe kleiner als ich.

Guten Morgen Bev, wir haben einen Termin. Seit einigen Jahren. Ich benutze Deinen Künstlernamen, lächle zu Dir herab. Ein wenig sprachlos lässt Du mich herein. Warum soll es Dir besser gehen als mir? Beinahe hätte ich wieder umgedreht auf dem Weg zu dieser Adresse in einem wenig einladenden Hinterhof einer norddeutschen Großstadt, und hätte diesen kühlen, sonnigen Frühjahrstag in einem Café zugebracht. Und mich ewig geärgert.

Aber wenige Sekunden später nur - ich hatte gerade Zeit, an Dir vorbeizugehen - bist Du in der Rolle angekommen, als hätte sich ein Objektiv auf Dich gerichtet. Du nimmst mir das Sakko ab, hängst es auf, geleitest mich in ein Zimmer, forderst mich auf, Platz zu nehmen, ich setze mich auf die Bettkante, Du bietest mir Kaffee an, den ich annehme - mit Milch, ohne Zucker.

Während Du unterwegs bist, meinen ersten Wunsch zu erfüllen, schweift mein Blick schmunzelnd durch den Raum; ihr nennt ihn das Zofenzimmer. Ja, diese Gerätschaften kenne ich. Ich war schon hier, aber privat, nicht mit Dir. Das ist heute anders. Und einige werden wir benutzen.

Du kommst zurück, reichst mir den Kaffee. Spielst mit, fragst mich, ob dies mein erster Besuch im Studio sei. Ich bejahe. Du forderst mich auf, Dir meine Erwartungen als Gast zu schildern. Ich antworte, beim ersten Kennenlernen wäre ich gerne offen, um zu sehen, was sich ergäbe, hätte keine konkreten Erwartungen. Ich wüsste ja, Du hättest keine weiteren Termine an diesem Tag. Drei Stunden, blanko, das würde mir schon vorschweben.

Du zögerst. Bevor Du antworten kannst, greife ich in meine Tasche, ziehe mit der rechten Hand einen Umschlag heraus, biete ihn Dir an. Du nimmst ihn, schaust mich fragend an, ich nicke, Du öffnest das Kuvert und schaust hinein, musst schmunzeln, fängst Dich wieder, nickst, legst den Umschlag diskret zur Seite. Mehr müssen wir nicht über dieses Thema sprechen.

Du lächelst mich unergründlich an - Wie sollen wir beginnen? Ich greife wieder in die Tasche, reiche Dir eine unbeschriftete CD. Lege diese CD ein und tanze für mich, Bev.

Derweil packe ich die wenigen weiteren Dinge aus meiner Tasche aus, lege sie sorgfältig nebeneinander: Meine Messer, kleine schmerzhafte Sachen, Schokolade.

Nun läuft meine Musik; Du hast Dich umgezogen, tanzt jetzt vor mir, mit ebenjenem unnachahmlichen Hüftschwung - wieviele Männer hast Du schon zur Weißglut getrieben? Ich kann meine Augen nicht von Dir reißen; fordere Dich auf, näher zu kommen, Dich beim Tanzen auszuziehen.

Es beginnt.

Verschlinge Dich erst mit Blicken, dann Haut und Haaren. Ganz real. Zeichne Dich. Ver- und entführe Dich. Entdecke Dich. Für diese Stunden: Mein. Die Musik wird intensiver. Öffne auch mich. Nah. Mehr als einmal.

Die Stunden vergingen: One should absorb the colour of life, but one should never remember its details. Details are always vulgar. Jetzt sitzen wir an einem Tisch in der Halle des Hauptbahnhofs, brauchten den Szenenwechsel, klingen nach und aus.

Der einzige Weg, eine Versuchung abzulegen, sei ihr nachzugeben: Dem muß ich nachdrücklich widersprechen.

Auf bald.

Valid HTML 4.01! Valid CSS! Copyright by the author Lars Marowsky-Brée (lars at marowsky-bree.de), except if indicated differently.