We're not afraid! 496x94px - 9kB Der Tod
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Minden, 1996-02-06

Hören Sie mir gut zu - ich werde mich nicht wiederholen:

Es ist eine Faszination. Die Mimik der Leute, wenn sie ihrem eigenen Tod in die Augen blicken. Ein unvergleichliches Gefühl. Man kann das Leben spüren, wie es ihre Körper verläßt, ich fühle, wie es wie ein kühler Luftzug über meine Haut streicht, ein letztes ``Warum?'' in die Welt hauchend...Übrig bleibt nur eine leere Hülle, mit dem Ausdruck der Furcht und der Angst eingegraben für die Ewigkeit, eine Hülle, an der sich die Maden weiden werden, als letzten Beweis für die Sterblichkeit des Menschen.

Man muß die richtigen auswählen - junge Menschen. Alte Menschen haben keine Furcht mehr vor dem Tod. Doch junge Menschen, die denken, sie hätten noch die Ewigkeit für sich - Narren - ein Traum, diese zu töten! Der Geschmack der Angst würzt ihr Fleisch. Wußten Sie, das Menschenfleisch leicht süßlich schmeckt? Der Ausdruck des Terrors, festgehalten in meiner privaten Kollektion. Fotos, von einer abscheulichen Klarheit und erfüllt von der Antwort auf alle Fragen des Lebens. Fotos, detailierte Zeugen für die Vollendung meines Werkes, Zeugen der Perversität meines Geistes. Oh, welche Freude mir diese Fotos bereiten - nichts kann den Ausdruck der ultimativen Angst, Panik, gesprenkelt mit einem Funken Hoffnung, überbieten.

Hoffnung - das ist wichtig. Wenn Sie einen Menschen ermorden wollen, lassen Sie ihn in dem Glauben, er hätte eine Chance. Die Ungewißheit alleine wird ihn töten. Werden Sie ihn töten? Verschonen Sie ihn? Er wird betteln, heulen, schreien. Oh wie ich es liebe, wenn sie sich an dem Strohhalm der Hoffnung festklammern, um von mir am Ende hineingestossen zu werden in den Sog des Abgrundes. Die Würmer, jeder von ihnen nur ein Sandkorn auf meinem Weg zur Vollendung.

Glauben Sie mir, Sie würden diese Momente genauso genießen wie ich. Sie bis zum letzten auskosten. Sich an den Gefühlen ihres Objektes weiden. Ihre Objekte psychisch quälen, bis sie Sie bitten, sie zu töten. Ihnen dann wieder Hoffnung machen. Sie hin und her pendeln lassen zwischen dem Zustand der Panik und des Hoffens. Für die Objekte meiner Kunst bin ich das jüngste Gericht, Ankläger, Richter und Vollstrecker in einer Person. Das Fegefeuer, die reinigenden Schmerzen der Hölle - in diese Welt gebracht durch mich, den Boten.

Der Ausdruck von Schmerz in den Augen ihres Objektes, wenn sie beginnen, mit dem Messer zu schneiden. Nur Messer! Nichts kann die exquisiten Effekte eines blitzenden, scharfen Messers vor den Augen eines Menschen aufwiegen. Wenn Sie langsam zu Werke gehen, ihm die Geschichte der Furcht in die Haut ritzen, werden Sie merken, wie langsam aber sicher Gewißheit über das Schicksal bei ihrem Objekt eintritt. Oh diese Ignoranten. Fürchten dich, oh Tod, du unendlicher Geheimnisse schweigender Bote. Sie akzeptieren es nie, ihr schreien, ihr bitten, ihr wimmern - wunderbare Engelsmusik in meinen Ohren. Wissen nicht, das ich sie spiele wie ein Klavier des Satans.

Ich führe das Messer langsam an ihrem Körper entlang - hier ein Schnitt, da eine durchtrennte Ader, dort ein zerschnittenes Organ. Komponiere eine göttliche Symphonie aus den Schreien meiner Objekte.

Ihr Blut bedeckt den Boden. Der rote Saft ihres Lebens, der, wie ihr Leben selbst, langsam aus ihnen rinnt, sie verlässt, flüchtend vor den Qualen, die ihm hier zugefügt werden. Wie die Grenze zwischen dieser Welt und der Welt danach - dem Reich - langsam aufreißt. Ich kann es in ihren Augen erkennen, das sie durch diesen Riß in dem Gefüge der Welt blicken können, und unsagbare Schrecken erblicken. Schlimmer als die Qualen, die ich sie erleiden liess. Ich sehe die Reflexionen der Todeswelt in ihren Augen. Ihre Augen sind leer. Denn das ist es, was ihnen Angst macht - die Gewißheit - es ist aus für sie. Sie sehen es mit ihren eigenen Augen, und ich sehe die Reflexionen: Nichts. Gläubige Menschen erkennen, das es kein Leben nach dem Tod gibt, keinen Gott, der mich strafen wird für meine Taten. Kein Fegefeuer für mich. Kein Ausgleich für ihre Pein. Ihre Lebensgrundlage, der letzte Funke Hoffnung, das ihre Qualen belohnt werden und es vielleicht Gerechtigkeit geben wird - er schwindet und weicht dem absoluten Horror.

Sie erkennen, das ich ihr Henker bin. Ihr Folterer. Ihr Peiniger. Der Vollstrecker. Ohne Grund. Einfach so, nur aus der Lust des Mordens heraus. Das sie den mir gegebenen perversen Ideen hilflos ausgeliefert sind. Und dann erzähle ich ihnen von meinen vorherigen Morden, den Gefühlen der Lust, erzähle ihnen, das sie wie ihre Vorgänger enden werden. Gefoltert, zerstückelt, verbrannt. Ich zeige ihnen die Fotos. Sehen Sie hier, dies ist mein Lieblingsbild. Gefällt es Ihnen?

Ich führe meine Schnitte weiter, schneide ihnen die Nägel ein, durchtrenne Nasenflügel, zerbreche Knochen. Doch dies ist alles nur Kosmetik, ein fröhlicher Nebeneffekt meines Tuns. Wer sagt, das der Messias nicht Spaß haben darf nach der Befreiung der Welt? Mein Auftrag ist erfüllt, das Objekt zerbrochen. Wartend, wie ihr Leben verrinnt, gebe ich mich den Freuden des Lebens hin, die mein Weg für mich bereithält.

Der Moment ihres Ablebens - bei weitem nicht so genußvoll, wie der Weg dorthin. Wenn sie sterben, sind sie schon lange tot, ihre Seele verkümmert, verwandelt in einen Klumpen Dreck, nicht mehr fähig, Schmerz oder Qual zu empfinden. Abgestumpfte Reste eines blühenden Lebens, zerstört von mir. Ein letzter Atemzug, wenn ich ihnen die Augen liess, ein letzter, sinnloser Blick gen Himmel - Aus.

Wie abgeschaltete Maschinen liegen dann ihre Überreste vor mir, kein Zeichen des ``göttlichen Odems'', der ihnen innen wohnen sollte. Die Zahl meiner Opfer ist Legion, und doch - noch nie sah ich eine Seele.

Im Sommer sitze ich dann oft stundenlang dort, und schaue zu, wie Fliegen und Ungeziefer mit ihrem Werk beginnen. Meist nur Fliegen, so ist doch manchmal auch eine Ratte dabei. Wer je sah, wie eine Ratte eine Leiche zurichtet, verliert den Glauben an alles Gute, welches in dieser Welt existieren sollte. Mit jahrmillionen alter Präzision beginnt die Ratte dort, wo der Anfang am einfachsten ist, zerfrißt das, was ich vom Gesicht über ließ, die Augen, eine Delikatesse, die ich nur selten den Ratten überlasse. Dennoch bewundere ich diese Diener des Herrn, die meiner Arbeit den Abschluß bringen. Übrig bleiben nach einiger Zeit nur ein paar mumifzierte Reste - ein paar unerklärliche Kilo mehr bei der Müllverbrennung.

Ich würde Ihnen wirklich gönnen, das Sie diesen Genuß, das Glücksgefühl des Tötens wenigstens kosten könnten. Zu schade. Gestern hatten Sie noch ihr ganzes Leben vor sich...

Warten Sie, ich hole meine Kamera.


Wenn Sie diesen Text verdaut haben, lesen Sie hier wie es weitergeht. Bitte lassen Sie zwischen diesen beiden Texten ein paar Stunden, eine Nacht oder besser ein paar Tage verstreichen. Vielen Dank.


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