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Me, Myself and I

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Köln, 2005-03-30

Einleitung

Drogen waren für mich immer ein schwieriges Thema, und sind es noch heute.

Die Grenzziehung, ab wann eine Droge eine Droge (was für gewöhnlich keine besondere Wertschätzung impliziert) ist, ab wann ihr Konsum als schlecht gilt, wann eine Sucht, erschien mir immer sehr willkürlich. Ich konnte diese Frage für mich nie wirklich befriedigend beantworten; zwar hatte ich mich wegen meiner Ablehnung von Beeinträchtigung meines Bewußtseins eindeutig und nachhaltig davon distanziert, doch was stellt eine solche dar? Nicht zu leugnen ist immerhin, das auch Kaffee, Schokolade, Schmerzmittel, Sex und Liebe solche Wirkungen haben. Wieso zog ich meine persönliche Grenze da, wo ich sie instinktiv zog?

Im folgenden möchte ich dieses Thema für mich aufarbeiten, in der üblichen Hoffnung aller Texte hier, das vielleicht jemand von diesen Überlegungen profitieren oder mich korrigieren mag. Mir jedenfalls hilft die schriftliche Reflektion sehr.

Ich werde weiterhin versuchen, nicht nur die negativen Aspekte des Konsums hervorzuheben; ich bin mir meines Vorurteiles bewußt, werde mich jedoch sehr bemühen, dieses einzufangen.

Zuerst widme ich mich den Kriterien, anhand derer eine Droge bewertet werden kann. Danach werde ich diese an einigen Beispielen anwenden, um dann mein persönliches Fazit zu ziehen.

Unzulänglichkeit des Begriffs

Was stellt nun eine Droge dar?

Der Begriff ist weit und schwammig. So sehr, das ich es nicht für wertvoll halte, ihn näher zu definieren; eigentlich kann jede Substanz, die der Mensch zu sich nimmt, als Droge betrachtet werden. Sucht und Rausch auslösen können sogar Gefühle und andere immaterielle Dinge wie Erfolg, Reichtum, Schmerz. Ich werde deswegen bei dieser sehr weiten Bedeutung bleiben und mit dem Wort Droge(n) auf dieses gesamte Feld verweisen; für weitere Beurteilung ist der Begriff schlicht unbrauchbar und muß durch differenziertere Kriterien ersetzt werden.

Diese Kriterien möchte ich weiter gliedern in individuelle Kriterien, die hauptsächlich den Konsumenten betreffen, körperliche wie psychische; und soziale Kriterien, wenn der Konsum Dritte betrifft respektive die Stellung des Individuums im sozialen Umfeld.

Natürlich besteht zwischen diesen beiden Hauptgruppen eine Beziehung, so wie jedes Individuum zu einer Gemeinschaft gehört. Dem werde ich mich jedoch bei entsprechenden Punkten widmen.

Individuelle Kriterien

Körperlicher Natur

Die meisten Drogen haben Wirkung auf unsere Neurochemie, und somit ist die körperliche Wirkung die erste betrachtete. Die emotionalen und anderweitig psychischen Wirkungen, die ein Eingriff in unsere Neurochemie auslöst, wird jedoch erst im nächsten Abschnitt betrachtet.

Drogen können körperlich entweder nützen oder schaden; und dies entweder zeitlich begrenzt oder mit bleibenden Effekten. Ebenfalls kann eine körperliche Abhängigkeit verursacht werden.

Diese Wirkungen reichen vom leichten Aufputschmitteln (Kaffee) oder Beruhigungsmitteln (Baldrian) über Schmerzmittel bis hin zu Dopingmitteln.

Schädigungen entstehen zum Beispiel durch Überdosierung oder unberechenbar (bei krebsverursachenden Stoffen).

Wenn der Effekt zeitlich begrenzt ist - wie bei einem Schmerzmittel - und die unerwünschten Nebenwirkungen ebenfalls, ist man geneigt, eine solche Droge nicht negativ zu besetzen.

Abhängigkeiten entstehen primär, wenn der Körper sich an diese chemische Beeinflußung gewöhnt, und ohne die Droge nicht mehr wie gewünscht arbeitet.

Psyschiche Wirkungen

Die psychischen Wirkungen von Drogen sind sicherlich die am meisten diskutierten (und auch kontroversesten). Diese möchte ich weiter unterteilen in die Rausch- sowie die Suchtwirkung.

Rauschwirkungen

Die meisten Menschen konsumieren Drogen sicherlich wegen der berauschenden Wirkung; ob jetzt vom milden Alkoholgenuß, dem THC-induzierten Rausch oder dem Kick von E oder Heroin.

Diese Wirkung muß nicht zwingend negativ sein; der Rausch wird ja vielmehr oft als mehr als nur angenehm empfunden. (Eine Droge, die nur negative Wirkungen hätte, hätte sicherlich sehr wenige Anhänger - außer in rituell-veranlagten Sekten und Folterkellern). Man schätzt diese Wirkung entweder um ihrer selbst willen, oder wegen ihres vermeintlich positiven Einflußes zum Beispiel auf unsere Kreativität, Auflösung von mentalen Blockaden, Verdrängung et cetera.

Diese Wirkung kann sie entweder durch Veränderung unserer Wahrnehmung oder unserer Verarbeitung der Wahrnehmung entfalten, wobei die Unterscheidung sicherlich schwierig ist.

Dieser Rausch hat jedoch bei manchen Drogen auch eine Schattenseite: Er kann zu einem Absturz kippen, in denen hauptsächlich negative Erlebnisse, Empfindungen, Panik, Angst und gar Schmerz empfunden werden.

Ebenfalls ist zu berücksichtigen, wie der Rausch abklingt: Sanft oder ruckartig, und entstehen dabei unerwünschte Sekundärwirkungen wie Kater?

Bei manchen Drogen wird auch eine langfristige Rauschwirkung unterstellt, wie zum Beispiel Ecstasy; hier sollen unkontrollierbare Flashbacks noch Monate nach Beendigung des Konsums auftreten.

Auch wird eine langfristige Veränderung des Charakters bei häufigem Konsum behauptet; so soll Cannabis langfristig träge und phlegmatisch machen. (Mir fehlen hier die Daten, um das wirklich fundiert beurteilen zu können, auch inwieweit dieser Effekt nach dem Absetzen der Droge wieder aufhört. Es sei der Vollständigkeit halber erwähnt.)

Suchtwirkung

Selbst die Suchtwirkung wird nicht zwingend als negativ empfunden; negativ wird sie nur besetzt, wenn die Sucht den freien Willen anderweitig einschränkt; kurz, ein Suchtmittel, das mir jeden Morgen in das erste Glas Wasser geschüttet wird und sonst keine Nebenwirkungen hat, ist eher als absolut harmlos zu betrachten. Wenn sich die Suchtwirkung so manifestiert, das sie mein Leben nicht einschränkt, würde ich ähnlich urteilen.

Die Sucht nach Erfolg, Geld und Besitz wird gar oft als positiv betrachtet.

Es ist zu bewerten, wie schnell eine Droge süchtig macht; schon beim ersten Gebrauch, oder erst nach mehrfacher Anwendung, oder garnicht?

Wie sehr schränkt die Befriedigung der Sucht das Individuum ein: Ist die Droge immer leicht zu beschaffen, ist sie in sein individuelles und soziales Umfeld integrierbar (dazu gleich mehr), und wie häufig muß dieser Trieb befriedigt werden?

Besteht gar ein Steigerungsdrang, die Dosis ständig zu erhöhen, wegen eintretender Gewöhnung - oder pendelt sich die Droge auf einem für das Individuum akzeptablen Niveau ein?

Wie schwierig ist der Entzug: Wenn mich zum Beispiel wichtigere Ziele oder eine Krankheit vom Drogenkonsum abhalten, wie beeinträchtigend sind eventuell auftretende Entzugserscheinungen? Wie lange dauert ein solcher Entzug bis zum abklingen dieser Nebenwirkungen?

Soziale Kriterien

Soziale Kriterien beginnen dort, wo die Wirkungen sich nicht mehr auf das Individuum beschränken. Ich möchte dies differenzieren in unfreiwillige Einbeziehung Dritter, sowie die Frage der sozialen Integration.

Unfreiwillige Einbeziehung Dritter

Jede dieser individuellen Wirkungen kann sich auch auf Dritte niederschlagen; wenn dies explizit von diesen gewünscht wird, ist dies hier kein Gegenstand der Betrachtung, dazu komme ich im nächsten Block.

Die körperliche Schädigung Dritter kann entweder direkt durch die schädigende Wirkung der Droge erfolgen wie zum Beispiel beim Passivrauchen in der Öffentlichkeit oder der Familie.

Oder indirekt durch die Konsequenzen der psychischen Wirkungen: Erhöhte Unfallgefahr bei der Autofahrt und ähnliche Nebenwirkungen des Rausches, oder in Verbindung mit der Sucht wie Beschaffungskriminalität.

Soziale Integration

Die kontroverse soziale Wirkung von Drogen betrifft aber vorallem ihre integrativen Aspekte.

So wirkt eine starke Sucht durch die Fokussierung ihres Opfers stark sozial isolierend; das Individuum ist nicht mehr angemessen in der Lage, seinen sozialen Rollen gerecht zu werden, oder es existieren schlicht Vorurteile gegen den Konsum einer bestimmten Droge.

Jedoch soll hier auch nicht vergessen werden, das soziale Integration durch Drogengebrauch auch in Ritualen gefördert werden kann, und der Nicht-Konsument sich Vorurteilen und auch Isolation gegenüber sieht: am häufigsten ist dies in unserer westlichen Gesellschaft Alkoholkonsum betreffend zu beobachten.

Ebenfalls kann durch die Verteilung von Drogen und Rauschmitteln eine soziale Kontrolle und Macht ausgeübt werden.

Bewertung dieser Kriterien

Nach dieser hoffentlich relativ umfassenden Auflistung von Kriterien folgen nun kurz einige Beispiele der Bewertung, die natürlich jeder für sich selbst treffen muß.

Individuelle Beurteilung

Körperliche Wirkungen

Die individuellen Wirkungen von Drogen sind mir relativ gleichgültig.

Ich würde fordern, das über diese umfassend aufgeklärt werden muß (Alkohol- und Zigarettenwerbung, sowie im Schulunterricht), aber was jemand mit seinem Leben anstellt, muß jeder selbst entscheiden: Auch die freiwillige Beeinträchtigung des Willens und des Körpers gehört dazu.

Und ja, die körperlich schädigenden Wirkungen von Drogen sind für mich ein Grund, diese für mich weitgehend abzulehnen. Ich würde allerdings zustimmen, das in Maßen die Gesellschaft durch die Versicherungen und ähnliche Umlagen die Kosten mittragen sollte: Eben dies ist der Sinn einer sozialen Gemeinschaft, die sich ansonsten persifliert. Auch wenn ich persönlich insbesondere der Meinung bin, das sie gerade entzugswillige Menschen besonders fördern sollte. Ich halte es zwar für sozial dreist, sich nach dreißig Jahren Rauchen über Lungenkrebs zu wundern, aber für unverantwortlich, in einer solchen Situation Hilfe zu verweigern. Vielmehr sollte hier intensiver aufgeklärt werden und beim Entzug geholfen werden.

Eine komplett risikofreie Gesellschaft wäre jedoch auch tödlich langweilig; wenn sich niemand mehr dem Sucht der Künste, der Lust, des Sportes, des Erfolges hingeben würde, wie fade, wie grau wäre die Welt!

Psychische Wirkungen

Abhängigkeiten

Sicher bin auch ich abhängig von bestimmten Drogen: vermutlich müsste man meinen Konsum von Süßigkeiten oder auch Sex nüchtern als solche klassifizieren. Dennoch halten sich hier die negativen körperlichen Wirkungen in Grenzen, und sie schränken auch nicht meine sonstige Handlungsfreiheit erheblich ein.

Mich selbst reizen Drogen, die Abhängigkeiten verursachen, in keinster Weise, im Gegenteil, sie stoßen mich ab: die körperliche Schädigung kommt bei dieser Ablehnung schon garnicht mehr zum tragen. Mein Wille ist schon unfrei genug, ich hege keinen Wunsch, auch nur ein Quentchen dieser Freiheit zu verschenken!

Insbesondere würden mich Drogen abschrecken, bei denen der Entzug körperlich und psychisch schwierig ist: Hier könnte ich meinen Willen deutlich weniger frei ändern, und das nicht nur in der Phase ihres Konsums. Ich mag dies in extremen Ausnahmen in Kauf nehmen (Opiaten in der Krebstherapie), generell steht meine Ablehnung aber sehr fest auf dem Boden.

Rauschwirkung

Auch starke Rauschwirkung reizt mich nicht.

An dieser Stelle sei mir ein Seitenhieb auf das Attribut bewußtseinserweiternd gestattet: Es ist mir unerklärlich, wieso eine Erweiterung des Bewußtseins dazu führen sollte, das man zu niederen Tätigkeiten wie Auto fahren, kohärenter Sprache et cetera nicht mehr befähigt sein sollte! Dies scheint mir eindeutig eine Beeinträchtigung darzustellen, zumindest (wenn man sehr freundlich sein will) auf unserer niederen physischen Ebene; wenn überhaupt kann man also wohl eher von einer bewußtseinsverlagernder Wirkung sprechen.

Meine Abneigung gegen Beeinträchtigung meines Bewußtseins oder meiner Wahrnehmung geht sehr weit und beginnt bereits im kleinen: Ich trinke keine Alkoholmengen, dessen Wirkung ich bemerken würde (was aufgrund meiner geringen Gewöhnung bereits geringste Mengen sind). Darüber hinausgehende Drogen wie Cannabis, Heroin, Pilze et cetera sind gar ganz für mich gestorben; ich irre mich hier lieber auf der konservativen Seite, will aber im Zweifelsfall jederzeit durch ein tiefes Durchatmen meine volle Selbstbeherrschung zurück gewinnen können. Mein Wissen über Drogen reicht hier aus, um einen Selbstversuch unnötig zu machen.

Auch als Mittel der Verdrängung weiß ich Drogen nicht zu schätzen: sie würden keine Probleme lösen, sie handelten mir nur weitere ein. Sicher, ich habe mich schon deprimiert mit einer Tafel Schokolade zurückgezogen oder anderweitig Ablenkung gesucht; doch bin ich auf diese Situationen nicht auch noch stolz. Wenn schon ein Rausch als temporäre Verdrängung, dann doch bitte einen mit minimalen Nebenwirkungen. Ein Kater am Morgen mag zwar noch intensiver ablenken, steht aber der Problemlösung sicherlich erst recht im Wege.

Als Mittel der Kreativität habe ich so meine Zweifel, inwieweit Rauschmittel hier wirklich wirken oder inwiweit dies lediglich in entsprechenden Kreisen sozial verbreitet wird. Ich kann dies aber nicht vollkommen ausschließen, ähnlich wie bei bestimmten Betriebssystemen ja durchaus ein Reset Probleme zu lösen scheint; auch hier würde ich mir aber ungern eine Sucht einfangen. Meine kreativen Blockaden konnte ich persönlich noch immer eher am besten dadurch lösen, das ich mich möglichst ruhig verschanzt habe, spazieren ging oder meditierte. Ich sehe nicht, das mir eine weitere Beeinträchtigung meiner sowieso begrenzten geistigen Kräfte noch weiter helfen könnte.

Als Kriterium der Beurteilung mag hier herangezogen werden, ob man die entsprechende Entscheidung, die man im Rausch trifft - oder den einen treffenden Geistesblitz - auch noch ohne Einfluß der Droge gutheißt.

Schmerzmitteln jedoch stehe ich ganz anders gegenüber: Wenn ich zum Zahnarzt gehe, immer rein mit der Spritze. Hier ist jedoch die Wirkung sehr lokal und das Risiko einer Schädigung sehr gering, und es erlaubt mir die Umsetzung meines gefassten Willens (gesunde Zähne zu haben). Auch bei anderen Schmerzmitteln fördern diese eher die Heilung und meine Fähigkeit, zu leben; die Gefahr einer Abhängigkeit ist bei den von mir konsumierten Dosen eher verschwindend gering.

Jedoch, wie gesagt: Dies mag jeder für sich selbst entscheiden.

Beurteilung der sozialen Wirkungen

Deutlich spannender wird es bei der sozialen Wirkung von Drogenkonsum.

Unfreiwillige Einbeziehung Dritter

Eine sehr eindeutige Meinung habe ich zum Rauchen in der Öffentlichkeit, in der Schwangerschaft, bei Verursachern von Unfällen oder Rausch-bedingten Straftaten: Diese stellen für mich alle verachtenswerte Charakterschwächen dar.

Zwar mag jeder konsumieren, was er oder sie mag. Jedoch endet die Freiheit des Einzelnen dort, wo die des Anderen beginnt; und in diesem Fall ist es ja wohl ein leichtes, den Drogenkonsum auf den privaten Bereich einzuschränken.

Raucherzonen in Lokalen schaden nicht nur meiner Gesundheit - sie sind vergleichbar zu Pinkelzonen im Schwimmbecken -, sondern auch den Genuß des Essens.

Zwar ist es korrekt, das ich selbst die freie Wahl habe, ob ich mich in eine bekanntermaßen verrauchte Disko begebe oder nicht (eine freie Wahl, die ich auch oft genug ausübe): dennoch scheint mir, hier sollte die Gesellschaft eher auf den Schutz der schwachen achten.

Das Argument, solche öffentliche Orte schließlich nicht aufsuchen zu müssen, erinnert mich doch sehr daran, in kurzen Röcken nachts nicht durch den Park zu gehen. Auch dies lässt sich aber vermutlich am ehesten durch entsprechende Aufklärung und Lobbyarbeit beeinflußen; die allerdings meiner Meinung nach durchaus in entsprechenden Gesetzen münden dürfen.

Falls jemand dennoch spezielle Raucherclubs oder Raucherabende in Lokalen einrichten will: Dies wiederum ist mir vollkommen gleichgültig.

Bei Autofahrten unter Einfluß von Rauschmitteln stellt sich dieses Problem noch deutlicher dar: Zwar akzeptiere ich beim Verlassen meines Hauses oder bei der Selbstnutzung eines Fahrzeugs ein Betriebsrisiko, ich habe aber ein Recht auf die Annahme, das die anderen Teilnehmer gewisse Mindestanforderungen erfüllen. Das Fahren unter Rauschmitteleinfluß sollte vielmehr ein Strafmaß-steigerndes Kriterium sein; wer Rauschmittel konsumiert, hat vorher dafür Sorge zu tragen, das er im Rausch dann andere nicht beeinträchtigt!

Beschaffungskriminalität stößt bei mir erwartungsgemäß ebenfalls auf wenig Gegenliebe; hier bin ich aber wieder geneigt, von einer Krankheit zu sprechen. Die Gesellschaft soll zwar entsprechende Maßnahmen treffen, sich vor den Kranken zu schützen und eine Heilung herbeizuführen respektive von der Tat abzuschrecken (was jedoch bei einer echten Sucht wirklich schwierig sein dürfte), aber hier überwiegt das Mitleid. (Was mich in der konkreten Situation nicht von Selbstverteidigung abhalten würde.)

Soziale Integration

Hier wird es jetzt geradezu für mich schwierig: Denn in der Abwägung der positiven Wirkung von sozialer Integration kann man glatt schlußfolgern, das die Ablehung des maßvollen Konsums von Drogen schädlich sein, und nicht der Konsum selbst! Immerhin, der gemeinsame Konsum von Drogen - dem Bier auf der Firmenfeier, zum Beispiel, der freundlich kreisende Joint in der Clique - kann ein soziales Gefüge nachhaltig stärken.

Aus dieser Schlinge ziehe ich meinen Kopf wie folgt: Stimmt. Das ist richtig. Das sind positive Wirkungen des Drogenkonsums. Dennoch endet die Freiheit der Gesellschaft an den Grenzen der individuellen Schutzzone des Individuums; und die individuellen Wirkungen von Drogen sind, siehe oben, nicht ganz ohne. Und gehen eindeutig über das hinaus, was die Gesellschaft von diesem fordern kann.

Dies gilt zumindest in den meisten Situationen: Ich finde es persönlich unerträglich, das man im beruflichen Umfeld durch gewisse Abstinenz vom Drogengebrauch sanft indirekt isoliert wird; meiner persönlichen Meinung haben Drogen (und dazu zähle ich hier insbesondere Alkohol sowie die schädlichen passiven Wirkungen von Zigarettenrauch) auf einer Firmenfeier ebensowenig zu suchen wie religiöse Indoktrination oder sexuelle Aufdringlichkeiten. Die Teilnahme an einer Firmenfeier ist zumindest in gewissen Grenzen beruflich verpflichtend, und somit sollte dort ein Klima herrschen, das allen diese Teilnahme ohne Beeinträchtigung ermöglicht.

Andererseits ist dies eben ein soziales Phänomen, das nicht zu leugnen ist, und man sucht sich seine Firma eben nicht nur nach beruflichen Kriterien, sondern auch nach der Stimmigkeit der sozialen Gemeinschaft aus. Dies mag im Einzelfall für mich bedauerlich sein (und mangels gemeinsamer Gesprächsebene die Feier nach der dritten Runde für mich beenden), ist aber zu akzeptieren: Hier endet meine Freiheit zugunsten der Freiheit anderer, und ich treffe meine freie Entscheidung.

Davon unbeeinflußt bleibt natürlich, das ich mich höflich und respektvoll um Drogen-ärmere Veranstaltungen bemühen darf, und gegen (mir zum Glück nicht begegnete) aktive Aufdringlichkeit wehren würde.

Im privaten Umfeld sieht dies wieder anders aus: Hier wähle ich mir mein Umfeld weitgehend frei, und wähle daher eins, das meine Einstellung zu diesen Themen teilt oder wenigstens respektiert. Ich wünsche keine tiefergehende soziale Integration mit einer Gruppe, die mir in diesem Punkt unerwünschte Vorschriften zu machen gedenkt.

Je dichter diese soziale Integration, desto schwieriger kann sich dies gestalten: Eine in Abhängigkeit verfallene Partnerin löst in mir zwar vorrangig Sorge um ihre Gesundheit aus, gleichzeitig wird aber auch die Beziehung selbst auf die Probe gestellt, denn dies ist nichts, was ich durch Liebe in mir selbst spiegeln will - diese Zerrissenheit und dadurch das Gefühl der Isolation in einem (durch die Willensfreiheit) für mich zentralen Punkt mag ich nicht noch einmal erleben.

Was für lose Bekannte noch mit einem Schmunzeln ertragbar sein mag, ist für eine enge Partnerschaft ein ernsthaftes Problem.

Soziale Machtausübung

Oft wird durch die Kontrolle des Konsums von Rauschmitteln auch soziale Kontrolle ausgeübt. Das lehne ich auch nachdrücklich ab. Die Kontrolle der sexuellen Lust und anderer Drogen durch die Kirchen - durch Verbot, durch Substitution, durch Besetzung mit Sünde - ist ein billiges Machtinstrument, das keine freieren oder mündigeren Menschen schafft.

Diese Entscheidungen sollte jeder für sich treffen, und nicht der Hirte für seine Schafe!

Zwar kann ich einer Religion nicht widersprechen, die Rauschmittel ablehnt, weil sie sie als hinderlich auf dem Weg zur Erkenntnis betrachtet: dem stimme ich zu, wie man meiner Betrachtung des Attributs bewußtseinserweiternd entnehmen kann. Jedoch sollte sie den Konsum nicht darüber hinaus mit 'Sünde' oder ähnlichen albernen Konzepten belegen: andere Religionen sehen dies durch den rituellen Rausch schließlich durchaus anders, und selbst der katholischen Kirche soll Weihrauch nicht ganz ungelegen kommen.

Auch die widersprüchliche Einstellung des Gesetzgebers zu Tabak und Alkohol (die eine enorme steuerliche Einnahmequelle darstellen, auf die der Staat nicht ganz verzichten könnte) und das auf Vorurteilen basierende gesetzliche Regelwerk bedürfen kontinuierlicher Verbesserung.

Fazit

Kann man hier überhaupt ein Fazit ziehen? Falls ja, dann nur ein sehr individuelles: Meins lautet weiterhin, bei Rausch- und Suchtmitteln lieber weiterhin übergroße Vorsicht walten zu lassen; Schlüssel ist für mich hierbei, das mein Wille und mein Handeln schon genug Einschränkungen unterliegen, und ich diesen keine weiteren hinzufügen will.

Ebenfalls sollte die Freiheit des Konsums dort enden, wo er Dritte unerwünscht beeinträchtigt.

Alles was darüber hinausgeht, scheint mir eine individuelle Entscheidung zu sein, die sich nicht absolut begründen lässt und somit gesetzliche Regelungen generell fragwürdig sind.

Diese Betrachtungen mögen jedoch anderen vielleicht bei ebenjener Entscheidung behilflich sein.

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